Vorgeburtliche Diagnostik des Kindes und ihre Konsequenzen – Herausforderungen, Grenzen, Verantwortung

Als Fachpersonen begegnen wir in unserer täglichen Arbeit Situationen, die uns fachlich, persönlich und menschlich fordern. Schwangerschaft ist für werdende Eltern eine Zeit voller Vorfreude – und zugleich eine Phase der Unsicherheit und Verletzlichkeit. Vor allem die Auseinandersetzung mit pränataler Diagnostik konfrontiert Eltern mit Fragen und Entscheidungen, die tief ins Leben eingreifen: Was bedeutet ein auffälliger Befund? Hat dieser Konsequenzen für die Schwangerschaft, für das Kind und für das Leben als Familie und wenn ja welche?
Wir, eine Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe mit dem Schwerpunkt Feto-Maternale Medizin und eine auf Kindsverlust spezialisierte Hebamme, erleben immer wieder, wie erschütternd ein solcher Moment für die werdenden Eltern sein kann und wie stark auch wir als Fachpersonen betroffen sind. Plötzlich geht es nicht nur um medizinische Fakten, sondern um existenzielle Fragen und weitreichende Entscheidungen. Hier brauchen Eltern eine Begleitung, die fachlich kompetent ist und zugleich Halt, Empathie und Orientierung gibt.
In diesem Weiterbildungstag möchten wir mit Ihnen gemeinsam folgenden Fragen nachgehen:
- Wie können wir als Fachpersonen Eltern in dieser Krise so begleiten, dass sie die nötige innere und äussere Sicherheit finden?
- Wie gelingt es, einen schwerwiegenden Befund klar und empathisch zu übermitteln – und echte Shared Decision Making zu ermöglichen?
- Wie gehen wir als Fachpersonen mit den eigenen Belastungen und Gefühlen in diesen herausfordernden Situationen um?
- Und wie schaffen wir es, trotz fragmentiertem und durchgetaktetem Klinik- oder Praxisalltag eine interprofessionelle Zusammenarbeit zu leben, die den Eltern dient?
Zielgruppe
- Inner- und ausserklinisch tätige Gynäkolog:innen, Präntaldiagnostiker:innen, Neonatolog:innen,
- Hebammen, Pflegefachpersonen, Doulas
- sowie weitere Fachpersonen aus den Bereichen Geburtshilfe, Gynäkologie, Neonatologie, Therapie und Beratung.
Ziele
Die Teilnehmenden
- sind sensibilisiert auf die speziellen Herausforderungen bei eigener Betroffenheit.
- wissen um die Wichtigkeit der Selbstfürsorge und haben Möglichkeiten, selbstfürsorglich mit sich umzugehen.
- sind sich bewusst, wie sich ihre eigene Geschichte auf ihre berufliche / ehrenamtliche Tätigkeit auswirkt.
- haben ein klares Rollenverständnis.
Inhalt
- Mutter- und Elternschaft als Prozess von Anpassung und Verantwortung
- Pränataldiagnostik: persönliche, gesellschaftliche und ethische Dimensionen
- Untersuchungen am ungeborenen Kind: Absichten, Grenzen und Konsequenzen
- Vom Schock zum Realisieren und Bewältigen – elterliche und fachliche Perspektiven
- Befundmitteilung und Gesprächsführung bei auffälliger Pränataldiagnostik
- Shared Decision Making im Kontext komplexer Diagnosen
- Strukturen der Betreuung im inner- und ausserklinischen Setting
Arbeitsweise
Inputreferate, Reflexion, praxisnahe Fallbeispiele und Videos, gemeinsame Diskussionen und interaktive Übungen
Kursleitung
- Jarmila Zdanowicz, PD Dr. med., Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe, Schwerpunkt Feto-Maternale Medizin, Leitende Ärztin und Ärztliche Leiterin Geburtsstation der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital Bern
- Anna Margareta Neff, M.Sc. Hebamme, Lebens- und Trauerbegleiterin, Leiterin kindsverlust.ch
Datum / Ort
30. September 2026, 09.30 – 17.00 Uhr
In Bern (genaue Angaben folgen mit der Anmeldebestätigung)
Kosten
Für Mitglieder: CHF 280.-
Für Nicht-Mitglieder: CHF 350.-
Anzahl Teilnehmende
12 bis 20 Personen
Anmeldeschluss
30. August 2026
Credits
e-log zertifizierte Tagesfortbildung / 6 e-log Punkte
Weitere Zertifizierungen und Credits auf Anfrage.
