Lehrgang «Wenn das (ungeborene) Kind stirbt»

Begleitung in Krise, Verlust und Trauer für Fachpersonen aus der Geburtshilfe
Der frühe Tod eines Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach ist ein tiefgreifendes Ereignis – auch für die betreuenden Fachpersonen. Hebammen, Gynäkolog:innen und Pflegefachpersonen sind die ersten Ansprechpartner:innen für betroffene Eltern. Ihre Begleitung, Beratung und Kommunikation in diesen sensiblen Momenten des unmittelbaren Geschehens sind von zentraler Bedeutung für das (gesunde) Weiterleben der betroffenen Familien – und zugleich sehr herausfordernd.
Dieser praxisorientierte Lehrgang ist für Fachpersonen aus der Geburtshilfe konzipiert, die (werdenden) Eltern mitten in dieser Ausnahmesituation zur Seite stehen. Dazu vermittelt er fundiertes Fachwissen zu Verlustsituationen während der Schwangerschaft und rund um die Geburt. Er befähigt im Umgang mit Krisen, bildet in Trauerbegleitung weiter und vertieft Gesprächsführungs- und Beratungskompetenzen. Der interdisziplinäre Lehrgang stärkt die professionelle Haltung, fördert Selbstfürsorge und unterstützt Fachpersonen darin, betroffene Familien achtsam und sicher zu begleiten.
Ausrichtung
Der Lehrgang mit Zertifikatsabschluss richtet sich primär an alle in der Geburtshilfe/Gynäkologie, Neonatologie und pädiatrischen Palliative Care tätigen Fachpersonen (inner- und ausserklinisch).
Weitere angesprochene Berufsgruppen sind: FAGE, MPA, Doulas, Mütter- und Väterberater:innen sowie Fachpersonen aus den Bereichen Seelsorge, Soziale Arbeit, Therapie und Trauerbegleitung (sofern sie zu Beginn des Verlustgeschehens involviert sind).
Aufbau
12 Präsenz-Kurstage (4 Module à je 3 Tage) sowie Supervision online (2x3h)
Modul 1: Geburtshilfe zwischen Bindung und Abschied
Vertiefung des geburtshilflichen Wissens bezüglich Kindsverlust, Physiologie und Pathologie erkennen, Vertiefung zur frühen Fehlgeburt, Diagnosemitteilung und Todesfeststellung, Kontinuum Elternschaft, Bindung und Bindungsunterbrechung, systemische Betrachtung der Eltern-Kind-Bindung und Paarbeziehung, Geschwisterkinder, Wochenbett in Trauer, Selbstwirksamkeit, Selbstanbindung und -regulation, Körper als Anker.
Modul 2: Unterstützen und Beraten in besonderen Situationen
Komplexität und ethische Fragestellungen vorgeburtlicher Untersuchungen, Gesprächsführung in der Beratung und im Entscheidungsfindungsprozess, Begleitung bei erkannter Krankheit bzw. Beeinträchtigung des Kindes, Palliative Care in der Prä- und Perinatalzeit, Begleitung bei Schwangerschaftsabbruch.
Modul 3: Begleiten auf dem Weg der Trauer
Ganzheitliches Modell «TrauerKaleidoskop» von Chris Paul, eigene Verlustbiografie und Umgang mit Verlust, Besonderheiten der Trauer nach Kindsverlust bzw. Schwangerschaftsabbruch, Schuld und Scham, Aushalten, Reflexion der eigenen Rolle, Selbstfürsorge, Rituale und Spiritualität.
Modul 4: Vertiefung fachlicher Kompetenzen für den Berufsalltag
Kinderwunsch, weitere Kinder und Begleitung in erneuter Schwangerschaft, rechtliche Fragestellungen, Reflexion der eigenen Berufsrolle und ihrer Grenzen, Chancen der interdisziplinären Zusammenarbeit, gesundheitspolitische Aspekte, Mentorat und Wissensweitergabe im eigenen beruflichen Kontext.
Supervision nach Abschluss der vier Module: Reflexion und Fallbesprechung.
Alle Module beinhalten praktisches Üben von Beratungssituationen, Fallbeispiele, körperorientierte Begleitmethoden und Selbsterfahrung.
Ziele und Inhalt
Erfahren Sie hier mehr Details zum Inhalt der einzelnen Ziele
Der Lehrgang vermittelt fundiertes Wissen zur Begleitung von Eltern nach dem Tod ihres Kindes während Schwangerschaft, Geburt oder in der ersten Lebenszeit. Im Fokus stehen medizinische, psychologische und systemische Grundlagen sowie die Eltern-Kind-Bindung in Übergangs- und Abschiedssituationen. Ein zentrales Modell ist das ganzheitliche «TrauerKaleidoskop» nach Chris Paul, das Trauer als vielschichtigen, lebensverändernden Prozess begreift.
Die Teilnehmenden erweitern ihr Repertoire an Gesprächs- und Begleitmethoden für sensible und herausfordernde Situationen rund um Kindsverlust und im Entscheidungsfindungsprozess und stärken ihre Beratungskompetenz und Gesprächsführung. Im Zentrum stehen innere Haltung, Präsenz und Sprache – reflektiert und praxisnah. Durch Übungen und Selbsterfahrung entwickeln sie ein empathisches, klares Vorgehen für emotional belastende und ethisch komplexe Situationen.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen beruflichen Rolle, Haltung und Verlustbiografie stärkt die Selbstwahrnehmung und fördert eine fachlich klare, empathische Begleitung. Die Teilnehmenden setzen sich mit ihren fachlichen Möglichkeiten auseinander und lernen, ihr Wissen im Sinne eines Mentorats im eigenen Berufsfeld weiterzugeben.
Die Teilnehmenden reflektieren ihren Umgang mit Belastung und entwickeln neue Impulse für Selbstanbindung, emotionale Regulation und Resilienz. Durch die Auseinandersetzung mit persönlichen Grenzen und wiederkehrenden Belastungssituationen entwickeln die Teilnehmenden individuelle Strategien (weiter), um langfristig gesund, präsent und professionell handlungsfähig zu bleiben.
Der Austausch mit Fachpersonen aus verschiedenen Berufsgruppen fördert das interdisziplinäre Verständnis und die gegenseitige Wertschätzung. Die Teilnehmenden reflektieren die Chancen interprofessioneller Zusammenarbeit für eine kontinuierliche und verlässliche Begleitung betroffener Familien.
Referentinnen
Erfahren Sie hier mehr über die einzelnen Referentinnen
Dr. phil., Soziologin M.A., Dipl. Sozialpädagogin, Pflegefachfrau, Trauerberaterin (BVT anerkannt), Dozentin zu Palliativversorgung, Trauer und Selbstsorge, Bremen DE
M.Sc. Hebamme, Pflegeexpertin Gynäkologie und Geburtshilfe am Kantonsspital Chur, Triesen LI
Sozialarbeiterin BA, MAS Sexuelle Gesundheit im Bildungs-, Gesundheits- & Sozialbereich, Basislehrgang klinische Sexologie Sexocorporel, Luzern
M.Sc. Hebamme, Lebens- und Trauerbegleiterin, Leiterin kindsverlust.ch, Bern
Dr. med. Pädiatrie und allgemeine innere Medizin, Palliativmedizinerin für Kinder und Erwachsene, Lebens- und Trauerbegleiterin, Pontresina
PD Dr. med., Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe, Schwerpunkt Feto-Maternale Medizin, Leitende Ärztin und Ärztliche Leiterin Geburtsstation der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital Bern
B.Sc. Hebamme und Pflegefachfrau KJFF, Lebens- und Trauerbegleiterin, Fachmitarbeiterin Projekte und Beraterin kindsverlust.ch, Bern
Supervision
Anna Margareta Neff Seitz, M.Sc. Hebamme, Lebens- und Trauerbegleiterin, Leiterin kindsverlust.ch, Bern
Daten und Orte
- Modul 1: 27./28./29. August 2026
- Modul 2: 19./20./21. November 2026
- Modul 3: 14./15./16. Januar 2027
- Modul 4: 04./05./06. März 2027
Supervision in Kleingruppen (online, je 3h): 8. Juni 2027 und/oder 17. August 2027
Die Präsenzkurse finden im Zentrum St. Anna in Luzern (in Bahnhofsnähe) statt.
Google Maps
Kosten
Für Mitglieder: CHF 4250.– (zusätzlich: CHF 29.- für das Mittagessen vor Ort)
Für Nicht-Mitglieder: CHF 4350.– (zusätzlich: CHF 29.- für das Mittagessen vor Ort)
Abschluss und Zertifizierungen
Nach Absolvierung des ganzen Lehrganges erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat. Der Lehrgang berechtigt zu Weiterbildungs-Credits und ist zertifiziert von:
- e-log-zertifiziert von SHV/FSSF/FSL; SBK-ASI (78 Credits)
- SGGG Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (78 Credits)
- palliative.ch palliative.ch – gemeinsam kompetent (8 Credits)
Für weitere Berufsgruppen auf Anfrage.
Welcher der beiden Lehrgänge von kindsverlust.ch passt besser zu mir? Wie kann ich mich entscheiden?
Hier herausfinden.
Anmeldung
Die Anzahl an Teilnehmenden ist begrenzt auf 25 Personen.
Anmeldeschluss: 01.06.2026
Annullationsversicherung
Da bei einer Abmeldung nach dem Anmeldeschluss vom 1. Juni 2026 – unabhängig vom Grund des Rücktritts (Unfall, Krankheit, o.ä.) – die ganzen Kurskosten in Rechnung gestellt werden, empfehlen wir Ihnen zu Ihrer Sicherheit den Abschluss einer Annullationsversicherung.

